Time is Brain – „Das Drama ist, dass der Schlaganfall nicht wehtut“

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Dr. Ulrich Pulkowski bei der Untersuchung eines Schlaganfall-Patienten der Stroke Unit
Dr. Ulrich Pulkowski und die medizinisch-technische Assistentin Susanne Dentel bei der Untersuchung eines Patienten der Stroke Unit

Plötzlich und fast immer schmerzfrei tritt er auf: der Schlaganfall. So auch bei Julia Hermann*, einer jungen Frau, die während eines Stadtbummels plötzlich bewusstlos wird. Durch schnelles Handeln der Passanten erreicht sie rechtzeitig die Stroke Unit der imland Klinik Rendsburg, wo Chefarzt Dr. Ulrich Pulkowski und sein Team ihr schnell wieder auf die Beine helfen können.

 

 

 

 

 

 

Lähmung, Taubheitsgefühl, Sprachstörungen – die Anzeichen für einen Schlaganfall sind vielfältig und treten meist abrupt auf. „Zu den Vorboten können auch ein akutes Schwächegefühl, Schwindel und sehr starke Kopfschmerzen gehören“, erklärt Dr. Pulkowski. „Das eigentliche Drama ist, dass der Schlaganfall an sich nicht wehtut. Viele Patienten denken dann, was von allein gekommen ist, geht von allein“, so der Facharzt für Neurologie. Dem ist allerdings nicht so. Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Diese kann in seltenen Fällen durch eine Blutung ausgelöst werden, wesentlich häufiger jedoch durch eine Verstopfung der Blutgefäße. Grund hierfür können ein verschlepptes Blutgerinnsel (Embolus) oder eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) sein.

„Das eigentliche Drama ist, dass der Schlaganfall an sich nicht wehtut. Viele Patienten denken dann, was von allein gekommen ist, geht von allein“

Sofortige Hilfe entscheidend

„Jetzt heißt es: Time is brain! Je schneller eine Behandlung erfolgt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine bleibenden Schäden auftreten“, erklärt Dr. Pulkowski. Der Mediziner rät eindringlich dazu, bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Notarzt unter der 112 zu alarmieren. Entscheidend bei der wirkungsvollen Behandlung ist die schnellstmögliche Hilfe durch Spezialisten. Die Neurologie der imland Klinik Rendsburg verfügt über eine zertifizierte Stroke Unit (Schlaganfall-Einheit) und gehört zu den größten Schlaganfall-Zentren in Schleswig-Holstein. Hier arbeitet ein multiprofessionelles, speziell geschultes Team aus Neurologen, Internisten, Krankenpflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden.

Umfassende Versorgung in der Stroke Unit

„Patienten mit Schlaganfall werden schon vom Rettungswagen aus bei uns angemeldet“, berichtet Dr. Pulkowski. Er erklärt, dass bereits vor der Aufnahme in die Stroke Unit verschiedene Untersuchungen und Maßnahmen durchgeführt werden: „Per Computer-Tomographie prüfen wir, welche Behandlung die richtige ist. Dabei kommt es auch auf den Zeitfaktor an.“ Bei einer Verstopfung der Blutgefäße kann bis zu viereinhalb Stunden nach dem Ereignis die sogenannte Lysetherapie angewandt werden.

Hierbei verabreicht der Arzt Medikamente, die das Blutgerinnsel direkt abbauen oder körpereigene Abbauenzyme aktivieren. „Hier in Rendsburg können wir aber auch eine Thrombektomie durchführen, für die das Zeitfenster sechs bis acht Stunden beträgt“, so der Schlaganfall-Experte. „Dabei wird ein Katheter über die Leiste ins Gehirn eingeführt und das Blutgerinnsel wie mit einer Angel herausgezogen.“ So wird die verstopfte Hirnarterie komplett befreit und schwere Behinderungen nach einem Schlaganfall können vermieden werden.

„Patienten mit Schlaganfall werden schon vom Rettungswagen aus bei uns angemeldet“, berichtet Dr. Pulkowski

Auch im Anschluss an den Eingriff sind Schlaganfallpatienten in der imland Klinik Rendsburg gut aufgehoben. „Nach einem sehr engmaschig überwachten Aufenthalt in der Stroke Unit verbringen die meisten noch drei bis fünf Tage auf der Normalstation“, berichtet der Chefarzt. Je nach Schweregrad kann bereits in der Stroke Unit mit Schluck- und Sprachtraining oder Physio- und Ergotherapie begonnen werden. Außerdem steht die imland Klinik den Patienten bei anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen zur Seite.

Neurologe Dr. Pulkowski spricht mit einem Kollegen über die Behandlung eines Schlaganfall-Patienten
Dr. Pulkowski bespricht die weitere Behandlung mit Stationsleiter Frank Alshuth

Schlaganfall-Risiko senken

In den letzten Jahren haben Schlaganfälle massiv zugenommen: „Die Erkrankung ist inzwischen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland und hat damit sogar den Herzinfarkt überholt“, berichtet Dr. Pulkowski. „Etwa 260.000 bis 270.000 Menschen sind hierzulande jedes Jahr betroffen. Allein 1.000 Schlaganfälle werden hier auf unserer Station behandelt – das sind ungefähr drei neue Patienten pro Tag!“

 

 

 

Neben Risikofaktoren wie Übergewicht, mangelnder Bewegung, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten und Rauchen habe auch das zunehmende Alter der Gesellschaft zu diesem Anstieg beigetragen, so der Chefarzt.

Neben Risikofaktoren wie Übergewicht, mangelnder Bewegung, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten und Rauchen habe auch das zunehmende Alter der Gesellschaft zu diesem Anstieg beigetragen, so der Chefarzt.

Ein gesunder Lebensstil, also eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Nikotinverzicht, kann bei der Vorbeugung eines Schlaganfalls helfen. Tritt der Notfall ein, können Folgeschäden nur durch schnelles Handeln und die richtige Therapie abgewandt werden – wie im Fall von Julia Hermann. Dank einer Thrombektomie konnte sie die Klinik bereits sechs Tage nach ihrer Einlieferung zu Fuß wieder verlassen.

*Name von der Redaktion geändert


Ihre Fachklinik vor Ort

Dr. Ulrich Pulkowski

imland Klinik Rendsburg
Klinik für Neurologie mit Stroke Unit
Dr. Ulrich Pulkowski
Lilienstraße 20
24768 Rendsburg
Tel. 04331 200-2901
E-Mail: neurologie@imland.de