Statt Kaiserschnitt: Prof. Behrens beherrscht Geburten in Beckenendlage

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Kaiserschnitt aus Bequemlichkeit? In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Kaiserschnitt-Geburten mehr als verdoppelt. Inzwischen schaltet sich das Bundesministerium für Gesundheit ein und will mit verschiedenen Projekten die Rate zurückschrauben. Ein guter Ansatz, findet Prof. Dr. Oliver Behrens, der eine Geburt auf natürlichem Wege grundsätzlich vorzieht. Verständnis und eine plausible Erklärung für die steigenden Kaiserschnitt-Zahlen hat er trotzdem.

Saskia Hoffmann* ist in der 38. Woche schwanger. Drei Wochen bleiben ihr bis zum errechneten Geburtstermin, aber ihr Sprössling macht keine Anstalten, sich in die richtige Position zu bewegen. Statt mit dem Kopf nach unten, liegt die Kleine in Beckenendlage – eine Position, bei der sich viele Ärzte zu einem Kaiserschnitt entscheiden.

Im Jahr 1991 lag der Anteil von Kaiserschnittgeburten an der Gesamtzahl der Geburten noch bei 15,3 Prozent. 24 Jahre später, im Jahr 2015, waren es bereits 31,1 Prozent. Diesen wachsenden Trend bestätigt Chefarzt Prof. Behrens auch für die Geburtsklinik der imland Klinik in Rendsburg. 1999 waren 15 Prozent der Geburten Kaiserschnittgeburten. Bis 2006 stieg die Zahl auf 30 Prozent.

Kaiserschnitt wurde um jeden Preis verhindert

Gynäkologe Prof. Dr. Behrens mit Hebamme Meike Ehlers
Prof. Dr. Behrens mit Hebamme Meike Ehlers

„Das hat mehrere Gründe“, sagt der Mediziner und erinnert sich an Zeiten, in denen Kinder trotz schlechter Herztöne erst nach vielen quälenden Stunden und nervenaufreibender Geburt mit der Saugglocke zur Welt kamen, um den Kaiserschnitt um jeden Preis zu verhindern. „So kann man das heute nicht mehr machen, während nebenan ein Wunschkaiserschnitt durchgeführt wird“, so Prof. Behrens, der erklärt: „Im alten Jahrtausend war ein Kaiserschnitt juristisch nur dann erlaubt, wenn es eine medizinische Indikation dafür gab.“ Eine Studie habe allerdings ergeben, dass das Komplikationsrisiko bei einem geplanten Kaiserschnitt genauso hoch sei wie bei einer normalen Geburt. Das zwang zum Umdenken, auch wenn der Wunschkaiserschnitt doch selten geblieben ist. Allerdings ist die Grenze für einen medizinisch indizierten Kaiserschnitt heute deutlich niedriger als früher.

„Im alten Jahrtausend war ein Kaiserschnitt juristisch nur dann erlaubt, wenn es eine medizinische Indikation dafür gab.“

Überzeugungsarbeit für eine natürliche Geburt leisten Prof. Behrens und sein Team hingegen, wenn Frauen schlicht Angst vor den Schmerzen haben oder bei logistischen Kollisionen à la: „Mein Mann ist nur noch zwei Wochen da, deshalb muss das Kind früher zur Welt kommen.“ In Beratungen und Vorgesprächen klären Ärzte und Hebammen über Risiken auf und weisen darauf hin, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt nicht so schnell wieder mobil sind wie nach einer normalen Geburt und zudem auch ein lebenslang erhöhtes Risiko für jeden weiteren operativen Eingriff eingehen. Persönlich plädiert der Professor grundsätzlich für eine natürliche Geburt, sofern sie ohne größeres Risiko möglich ist. „Wenn jemand Gründe für einen Kaiserschnitt hat, akzeptiere ich sie aber.“

Ist wie bei Saskia Hoffmann lediglich eine Beckenendlage das Problem, versucht Prof. Behrens, das Ungeborene im Bauch der Mutter in die richtige Position zu drehen. „Diese Praxis kenne ich schon seit über 30 Jahren. Sie ist in jüngster Zeit wieder modern und häufiger geworden“, berichtet der Gynäkologe. Bleibt der erwünschte Erfolg aus, bietet der erfahrene Mediziner als einer der wenigen seines Fachs Geburten in Beckenendlage an – sicher und auf natürlichem Wege.

„Bei einer Rate von 15 Prozent werden wir nie wieder sein“

Trotz aller Argumentation gegen eine Operation: Mehrlingsgeburten ab Drillingen, Zwillinge in bestimmter Lage, eindeutig zu große Kinder, Querlagen, Beckenendlagen beim ersten Kind sind Beispiele, bei denen auch Prof. Behrens einen Kaiserschnitt anordnen und durchführen würde. Ökonomische Absichten der Kliniken oder die Behauptung, Ärzte würden es sich mit der Entscheidung für einen Kaiserschnitt leicht machen, lehnt er als Begründung für steigende Zahlen ab. „Bei einer Rate von 15 Prozent werden wir in Deutschland nie wieder sein“, prognostiziert der Rendsburger, „dazu müssten wir sehr leichtsinnig sein.“

*Name von der Redaktion geändert.


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