Schlaflos im Kinderzimmer – Na dann, gute Nacht!

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Kleiner Junge im Bett

Tapsige Schritte im Flur, die Tür zum elterlichen Schlafzimmer geht langsam auf und ein dünnes Stimmchen ertönt: „Mama, ich kann nicht schlafen!“ Schwierigkeiten bei der nächtlichen Erholung stellen Kinder und Eltern häufig vor große Herausforderungen. Im Pädiatrischen Schlaflabor der imland Klinik Rendsburg gehen Dr. Katja Bruhn und ihre Kollegen den Ursachen auf den Grund.

Schlafstörungen bei Kindern kommen häufig vor: In Deutschland sind 20 bis 40 Prozent der unter 18-Jährigen betroffen. Oft sind die Probleme vorrübergehend, manchmal halten sie sich jedoch hartnäckig. Für die Ursachenforschung steht in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der imland Klinik Rendsburg unter Chefarzt Dr. Malte Lange ein Pädiatrisches Schlaflabor zur Verfügung. „Hier werden Kinder jeder Altersgruppe mit organisch und nicht-organisch bedingten Schlafstörungen untersucht“, berichtet Dr. Bruhn, Oberärztin der Kinderklinik. „Ob das für den Einzelnen notwendig ist, stellen wir innerhalb eines Gesprächs während der schlafmedizinischen Sprechstunde fest.“ Erst danach wird ein Termin vergeben.

„Die Begutachtung findet nachts statt, da wir nur so das Schlafverhalten aussagekräftig beurteilen können“

Eltern können bei der Vorbereitung helfen

„Die Begutachtung findet nachts statt, da wir nur so das Schlafverhalten aussagekräftig beurteilen können“, erklärt die Oberärztin. Damit noch genug Zeit für die Vorbereitung bleibt, werden die Kinder am späten Nachmittag aufgenommen. „Für uns ist es sehr hilfreich, wenn wir die Elektroden für die Messung gemeinsam mit den Eltern in einer ruhigen Umgebung anlegen können“, berichtet Dr. Bruhn. „Bei kleineren Patienten können die Eltern natürlich auch über Nacht bleiben.“ In der Regel bleibt das Kind zwei Nächte im Schlaflabor. Währenddessen überwacht eine medizinisch-technische Assistentin per Audio- und Videoübertragung seine Hirnströme sowie Parameter der Atmung und Bewegung. Morgens wird das Kind zur gewohnten Uhrzeit geweckt. Anschließend wertet ein Arzt alle aufgezeichneten Daten aus und bespricht den Befund ausführlich mit den Eltern.

Die größte Patientengruppe, so Dr. Bruhn, leide an obstruktiven Schlafapnoen. „Dabei erschlafft die Muskulatur in den oberen Atemwegen. Der Atemweg im Rachenbereich verengt sich oder blockiert sogar ganz, sodass der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird“, erklärt sie. Betroffene wachen in der Nacht häufig auf. Es gelingt ihnen nicht, in den erholsamen Tiefschlaf zu fallen. Aber auch Patienten mit Verdacht auf andere schlafbezogene Erkrankungen, wie beispielsweise nächtliche Krampfanfälle, werden im Schlaflabor untersucht.

„Später, im Grundschulalter, werden oft Ängste als Ursache der Einschlafprobleme angegeben. Oder auch nächtliche Alpträume“

Ursachen variieren je nach Alter

Insbesondere bei kleinen Kindern sei häufig eine Regulationsstörung die Ursache von Ein- und Durchschlafstörungen. „Das liegt an ihrer besonderen Schlafarchitektur. Durch die kürzere Dauer eines Schlafzyklus durchlaufen sie häufiger die leichteren Schlafphasen und auch Wechsel zwischen den Stadien“, legt die Medizinerin dar. „In diesen Zeiträumen sind sie sensibler für Störreize und wachen leicht auf. Da die Selbstregulation zum erneuten Einschlafen erst noch erlernt werden muss, benötigen viele Kinder hierfür die Hilfe ihrer Eltern.“

Im Kindergartenalter bestehen oft Einschlafprobleme oder der sogenannte Nachtschreck, bei dem die Kinder aus der Tiefschlafphase heraus unvollständig erwachen. „Später, im Grundschulalter, werden oft Ängste als Ursache der Einschlafprobleme angegeben. Oder auch nächtliche Alpträume“, berichtet die Ärztin. „Bei Jugendlichen bestehen dann häufig ebenfalls Einschlafprobleme, die in ausgeprägter Form sogar zu einer Verschiebung von Tag- und Nachtrhythmus führen können.“

Tipps zum Ein- und Durchschlafen

Bei vielen Schlafproblemen beginnt die Lösung mit einem regelmäßigen Tagesrhythmus und festgelegten Bettgehzeiten. Außerdem empfiehlt die Ärztin, auf genügend körperliche Aktivität zu achten, um einen ausreichenden Schlafdruck zu erzeugen. „Auch ein abendliches, nicht allzu langes Bettgehritual ist hilfreich. In der letzten Stunde vor dem Einschlafen sollte aber in jedem Fall auf aktivierende Tätigkeiten verzichtet werden“, weiß Dr. Bruhn und fügt hinzu: „Dazu gehört auch der Medienkonsum!“

Notwendig für einen guten Schlaf, so die Oberärztin, seien Geborgenheit und Sicherheit. „Manchmal finden sich auch familiäre und schulische Belastungen als Ursache der Schlafstörung. Dies muss dann gezielt weiter abgeklärt und behandelt werden.“ Eine Verbesserung der Schlafsituation könne in kleinen Schritten sehr gut mithilfe eines Verhaltenstrainings erfolgen. Besorgte Eltern kann die Ärztin beruhigen: „Nur in seltenen Fällen ist eine medikamentöse Therapie notwendig.“

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Dr. Malte Lange

 

 

 

 

 

 

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