Fibromyalgie – eine Krankheit, die nur schwer zu beschreiben ist

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Für gesunde Menschen sind die Schmerzen kaum nachvollziehbar: Fibromyalgie-Patienten leiden unter anhaltenden, tiefen Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen, die allerdings bisher auf keine erkennbaren Ursachen zurückzuführen sind. Dazu kommt, dass die Gesellschaft nur unzureichend über die Erkrankung aufgeklärt ist – damit sind zum Teil auch Ärzte gemeint. Das führt häufig zu Verharmlosungen. Neben Schlafstörungen, Depressionen oder Angstzuständen, den Hauptsymptomen der Fibromyalgie, stellt sich das Gefühl ein, nicht ernst genommen und mit seinen Schmerzen allein gelassen zu werden. Regina Berner berichtet im Interview über Erfahrungen und die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Fibromyalgie in Rendsburg:

Warum suchen Menschen mit Fibromyalgie oft so lange nach der richtigen Behandlungsmethode?

Weil sie keinen geeigneten Arzt finden, der die Fibromyalgie anerkennt und der sich Zeit nimmt und zuhört. Wenn zum Beispiel ein passender Schmerztherapeut gefunden wird, beträgt die Wartezeit circa sechs Monate. Die Betroffenen sind hilflos vor Schmerzen. Deshalb wird alles ausprobiert: Akupunktur, Osteopathie, Massage, Manuelle Therapie, Wassergymnastik, Trockengymnastik, Hypnose, Wärme, sämtliche Formen von Schmerzmitteln, Schlafmitteln und Antidepressiva. Die Suche nach der richtigen Therapie ist sehr langwierig und schlecht für die Psyche.

Die Betroffenen sind hilflos vor Schmerzen.

Wie genau können die chronischen Schmerzen mithilfe einer Schmerztherapie behandelt werden?

Chronische Schmerzen können mithilfe einer sogenannten Multimodalen Schmerztherapie behandelt werden. Da die Schmerzen oft verschiedene Ursachen haben und viele Lebensbereiche betreffen, kombiniert diese Form von Schmerztherapie unterschiedliche Behandlungen. Die Therapie kann erfolgreich sein, wenn folgende Schritte beachtet werden:

  1. Anerkennung und Umgang mit der Krankheit

Das ist das Wichtigste. Die Behandlungserfolge hängen stark davon ab, wie gut der Betroffene über seine Erkrankung informiert ist. Patientenschulungsprogramme von erfahrenen Ärzten und Therapeuten sind dabei hilfreich.

  1. Eine Verhaltenstherapie

Positive Gedanken und Gefühle können den Krankheitsverlauf auf positive Weise beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, zu lernen, welche Empfindungen und Verhaltensweisen die Schmerzen verschlimmern, um diese in Zukunft vermeiden zu können.

  1. Eine geeignete Bewegungstherapie

Regelmäßige Bewegung lindert die Schmerzen. Durch das Training wird der Bewegungsapparat in einen besseren Funktionszustand versetzt. Zur Bewegungstherapie gehört regelmäßige Krankengymnastik, die die Sehnen und Muskeln lockert und kräftigt. Am besten werden die Übungen täglich zuhause wiederholt. Auch wenn das Training nur einige Minuten dauert, kann dadurch schon ein größerer Erfolg erzielt werden, als wenn nur einmal die Woche eine Stunde lang trainiert wird. Schwimmen und Aquajogging, Radfahren, Walken und Tanzen haben sich außerdem als geeignete Sportarten für Fibromyalgie-Patienten erwiesen.

  1. Einweisung in eine geeignete Klinik für Multimodale Schmerztherapie

Eine geeignete Klinik ist deshalb so wichtig, weil bei der multimodalen Schmerztherapie verschiedene Berufsgruppen und Schmerzspezialisten abteilungsübergreifend reibungslos zusammenarbeiten müssen. Ärzte, Physiotherapeuten oder Psychologen müssen ihre Therapien perfekt aufeinander abstimmen.

Positive Gedanken und Gefühle können den Krankheitsverlauf auf positive Weise beeinflussen.

  1. Schmerzmitteleinstellung

Leider gibt es bisher noch keine Medikamente, die gezielt die Fibromyalgie behandeln. Schmerzmittel, die für andere chronische Erkrankungen entwickelt wurden, können aber helfen. Diese Mittel beseitigen die Schmerzen nicht vollständig, aber eine deutliche Besserung hervorrufen. Die Schmerzmittel wirken auf jeden Menschen individuell und verursachen mal mehr mal weniger erträgliche Nebenwirkungen. Der Patient muss das passende Medikament für sich finden.

  1. Hilfe und Austausch mit Gleichgesinnten

In einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Fibromyalgie erfährt der Betroffene Verständnis. Er kann sich mit den anderen Teilnehmern über persönliche Sorgen und Alltägliches unterhalten, erfährt aber auch sehr hilfreiche Informationen zum Beispiel darüber, welche Kliniken und Fachärzte kompetent sind oder welche Therapiemaßnahmen Erfolge erzielen.

Welche Themen liegen den Teilnehmern Ihrer Selbsthilfegruppe besonders am Herzen?

Die Teilnehmer wünschen sich mehr Anerkennung und Akzeptanz in der Öffentlichkeit und die Verbreitung des Themas Fibromyalgie und eine Aufklärung über die Erkrankung in den Medien, beispielsweise in Fachzeitschriften. Außerdem erhoffen sie sich eine bessere Ausbildung der Ärzte in der Schmerztherapie. Besonders an der Ignoranz vieler Ärzte gegenüber Schmerzpatienten muss gearbeitet werden.                                        

Kontakt
Regina Berner
Telefon: 0172 777 55 63
E-Mail: berner.hohn5761@gmail.com