Die unsichtbare Gefahr

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Patient bei Untersuchung
Bei der Ultraschalluntersuchung kann eine Erweiterung der Hauptschlagader entdeckt werden.

Das Herz pumpt etwa drei bis fünf Liter Blut pro Minute durch unsere Hauptschlagader. Beim gesunden Menschen erreicht diese ungefähr die Dicke eines Gartenschlauchs. Doch sie kann sich auf mehr als den doppelten Umfang erweitern. „Dem Betroffenen droht dadurch nahezu unbemerkt eine tödliche Gefahr“, warnt Dr. Markus Siggelkow, Chefarzt der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirugie der imland Klinik Rendsburg.

Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle haben neben ihrer weltweiten Berühmtheit eine weitere Gemeinsamkeit – alle starben infolge einer geplatzten Hauptschlagader im Bauchraum. In der Fachsprache ist von einem geplatzten Bauchaortenaneurysma die Rede.

 

„Durch die Ausweitung der Aorta verdünnt sich die Gefäßwand stetig, bis sie einreißt“

Besonders tückisch: Für Betroffene sind im Vorfeld kaum Symptome spürbar. Hält die Hauptschlagader dem Blutdruck nicht mehr stand, droht beim Platzen das zügige Verbluten. Gefäßexperte Dr. Siggelkow geht dann von einer „etwa 20 prozentigen Überlebenschance“ aus. Platzt ein Bauchaortenaneurysma, macht sich dies durch unerträgliche Bauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und Brechreiz bemerkbar – ein Notfall, bei dem jede Minute zählt. „Durch die Ausweitung der Aorta verdünnt sich die Gefäßwand stetig, bis sie einreißt“, erklärt der Chefarzt.

Vorsorgeuntersuchung bringt Gewissheit

Besonders Männer ab dem 65. Lebensjahr gelten als gefährdet. Dr. Siggelkow berichtet, dass Patienten häufig erst durch Zufall während einer anderen Untersuchung, beispielsweise beim Urologen, auf eine erweiterte Hauptschlagader aufmerksam gemacht würden. Rauchen und Bluthochdruck seien die wichtigsten Risikofaktoren für ein Bauchaortenaneurysma. Deshalb empfiehlt er, sich vorsorglich untersuchen zu lassen.

Bei der Vorsorgeuntersuchung (Screening) wird der Bauch abgetastet und eine kurze Ultraschalluntersuchung durchgeführt. So sieht der Arzt, ob eine Erweiterung vorhanden ist. Ab einem Durchmesser des Aneurysma von 5 cm steigt die Gefahr des Platzens durch einen Gefäßwandeinriss erheblich an; bei Männern besteht die Empfehlung für einen Eingriff ab einem Durchmesser der Erweiterung von 5,5 cm. Bei Frauen gilt ein Aneurysma bereits ab einem Durchmesser von 5 cm als behandlungsbedürftig.

Schonende OP-Möglichkeit

Nach einer gründlichen Diagnose stehen zwei Operationsmöglichkeiten zur Verfügung: zum einen die Ersatz-Operation über einen offenen Bauchschnitt. Hierbei klemmt der Gefäßchirurg das Blutgefäß oberhalb und unterhalb der Gefäßerweiterung ab, öffnet dieses längs und näht eine Kunststoffprothese als Ersatz ein. Nach Freigabe des Blutstromes wird die ursprüngliche Gefäßwand zum Schutz der umgebenden Organe wieder um die Prothese gelegt und vernäht. Die zweite und schonendere Option ist das sogenannte endovaskuläre Verfahren. Bei diesem Eingriff schiebt der Gefäßchirurg eine Gefäßstütze (Stent) über einen Katheter in der Leiste des Patienten durch die Blutgefäße bis zum Aneurysma. Der Stent wird anschließend aufgespannt, um die krankhafte Schlagader abzudichten und ein Aufreißen zu verhindern. Im Gegensatz zur offenen Bypass-Operation kann dieser Eingriff in örtlicher Betäubung erfolgen. „Dieser Eingriff ist in der Operationsdauer wesentlich kürzer und körperlich weniger belastend für Betroffene“, betont Dr. Siggelkow. „Die Patienten können die Klinik einige Tage früher wieder verlassen.“


„Gefäßzentrum Rendsburg“

Die Behandlungen in seiner Klinik sind übrigens immer Team-Arbeit. Gemeinsam mit den Kollegen der interventionellen Radiologie bildet die Klinik für Gefäß- und Thoraxchirugie bereits seit Jahren das „Gefäßzentrum Rendsburg“. Um Gefäßerkrankungen vorzubeugen empfiehlt der Experte eine Kontrolle der Lebensgewohnheiten. „Konsequenter Rauchstopp, wirkungsvolle Behandlung von Bluthochdruck und Zuckerkrankheit, Diätmaßnahmen bei Fettstoffwechselstörung sowie regelmäßiges körperliches Training sind zur Senkung des Risikos für die Entwicklung von Gefäßkrankheiten unbedingt erforderlich“, so Dr. Siggelkow. Eine Vorsorgeuntersuchung könnten diese Maßnahmen allerdings nicht ersetzen.


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Dr. Markus Siggelkow

imland Klinik Rendsburg
Klinik für Gefäß- und Thoraxchirugie
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