Diabetes-Ratgeber

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Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit etwa 350 Millionen Menschen an Diabetes. Am häufigsten tritt der Typ-2-Diabetes auf: „Die Körperzellen reagieren zunehmend unempfindlich auf das Hormon Insulin, das eigentlich dazu anregt, Glucose aus dem Blut aufzunehmen – der Blutzuckerspiegel steigt“, erklärt Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Meist sind zu Beginn keine akuten Symptome erkennbar. „Zu den Risikofaktoren gehören genetische Veranlagung, Übergewicht und Bewegungsmangel.“ Anders beim Typ-1-Diabetes, einer Autoimmunkrankheit. Hier zerstört das körpereigene Immunsystem die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin herstellen. „Betroffene müssen sich meist ihr Leben lang Insulin spritzen, um ihren erhöhten Blutzuckerspiegel zu behandeln“ weiß Prof. Müller-Wieland. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Symptome vor, die auf Diabetes hindeuten können:

Habe ich Diabetes?

  • Verstärkter Harndrang: Der Körper versucht, den vermehrt im Blut vorkommenden Zucker auszuscheiden.
  • Starker Durst: Vermehrter Harndrang kann einen Wassermangel zur Folge haben.
  • Jucken: Durch den erhöhten Flüssigkeitsverlust kann es zu trockener Haut kommen.
  • Müdigkeit: Betroffene fühlen sich schlapp.
  • Gewichtsverlust: Durch die schlechte Blutzuckerverwertung, vor allem bei Typ-1-Diabetes, können die Zellen ihren Energiebedarf nicht mehr decken. Der Körper greift auf Fettdepots zurück.
  • Wunden verheilen langsamer: Das Immunsystem ist geschwächt und die Durchblutung der Haut schlechter.
  • Infektionen: Diabetiker sind anfällig für Harnwegsinfektionen, Fußpilz und andere Hautinfektionen. Auch Parodontitis tritt häufiger auf.
  • Atemgeruch: Gelangt nicht ausreichend Zucker in die Zellen, baut der Körper Fettzellen ab. Dabei entsteht Azeton, das im Atem von Typ-1-Diabetikern erkennbar sein kann.

WICHTIG! Kontrolltermine bei Diabetes

Dr. Anja Rueck

Diabetes mellitus hat unterschiedliche Ausprägungen und kann unbehandelt zu ernsthaften Folgeerkrankungen führen. „Ein erhöhter Blutzucker schädigt die kleinen und großen Gefäße“, erklärt Dr. Andrea Thom, Leiterin des durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft zertifizierten Diabeteszentrums der imland Klinik. „Nur eine gute und rechtzeitige Betreuung kann dies verhindern.“ Unter dem Motto „Frei Leben mit Diabetes“ können Betroffene an Schulungskursen des Diabeteszentrums teilnehmen. Doch auch spezielle Vorsorgeuntersuchungen sollten nicht außer Acht gelassen werden.

Augenspiegelung

Der Arzt leuchtet mindestens alle zwei Jahre mit einer Speziallampe durch die Pupillen auf die Netzhaut. „Deren feine Blutgefäße können durch den Diabetes geschädigt werden“, so Prof. Dr. Nicole Eter von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Rechtzeitig erkannt lässt sich ein Sehverlust häufig verhindern.

Nierencheck

Dr. Andreas Bannowsky

„Ein dauerhaft erhöhter Zuckerspiegel kann zu einem Nierenschaden führen“, warnt Priv.-Doz. Dr. Andreas Bannowsky, Chefarzt der Urologie an der imland Klinik. Hinweise hierauf liefern ein mindestens jährlicher Urin- sowie ein Bluttest.

 

Blutzucker-Langzeitwert-Kontrolle

Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c gibt Auskunft über die Höhe des Blutzuckers in den vergangenen acht bis zwölf Wochen. Hierfür wird einmal im Quartal Blut aus einer Fingerkuppe oder Vene entnommen.

Blutdruckmessung

Diabetes und Bluthochdruck treten oft gemeinsam auf. Die Untersuchung, bei der der Arzt mit einer Manschette am Oberarm des Patienten den Blutdruck misst, wird alle drei bis sechs Monate durchgeführt. „Zur Sicherstellung der Diagnose kann eine 24-Stunden-Messung nötig sein, bei der dem Patienten für einen Tag ein Gerät angelegt wird“, so Thomas Fröber, 1. Vorsitzender der Initiative „Gesund am NOK“.

Fußinspektion

Diabetes kann Nerven und Durchblutung in den Beinen beeinträchtigen. Gegebenenfalls benötigen Betroffene spezielle Einlagen, Schuhe oder eine Fußpflege. Die Untersuchung durch den behandelnden Arzt findet mindestens jährlich statt. Eine tägliche Inspektion kann selbstständig durchgeführt werden.

Cholesterinmessung

Dr. Ulrich Pulkowski

„Schlechte Blutfette fördern die Arterienverkalkung und das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden“, erklärt Dr. Ulrich Pulkowski, Chefarzt der Stroke Unit an der imland Klinik. Die Untersuchung findet in der Regel einmal jährlich statt.

 

 

Zahnkontrolle

Diabetiker erkranken häufiger an einer chronischen Entzündung des Zahnbettes. Dies gefährdet nicht nur die Zähne – auch der Blutzucker kann erhöht werden. Zudem schüttet der Körper dann Stoffe aus, die eine Gefäßverkalkung fördern. Bei einer mindestens jährlichen Zahn- und Zahnfleischkontrolle werden auch hartnäckige Belage entfernt.

Herz- und Schlagader-Check

Dr. Carsten Joachim

Verengungen der Herzkranzgefäße und Halsschlagadern erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Per Ultraschall können wir diese erkennen“, so Dr. Carsten Joachim, kommissarischer Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin an der imland Klinik Eckernförde. „Außerdem wird ersichtlich, ob die Bauchschlagader erweitert ist.“ Über den Zustand des Herzens informieren ein EKG, eine Echokardiografie oder bei Bedarf eine Herzkatheter-Untersuchung.